Geformte
Körperwelt

DAS
KORSETT

Gesundheitliche Probleme führten zur bequemen Reformmode der 1920er Jahre.


Aus antiken Brustbinden entwickelten sich während des Mittelalters Schnürmieder als kleidendes Wams - auch für den Mann. Erst die Extravaganzen am spanischen Königshof des 15. Jhdts brachten als Novität das Korsett mit formbildenden Eigenschaften hervor, dessen Schnitt seitdem periodisch zwischen gerader Silhouette und erotisch-kurvigem Formenreiz pendelt. Selbst der Herr von Welt presst damit seinen Bauch in eine sportlichere Fasson und über medizinische Korsetts als orthopädische Stütze spricht man nicht.


Bauch rein, Brust raus,
galt auch für eitle Mannsbilder.

Die bekannteste Korsettform mit enger Taille wurde während des 18. Jhdts geschaffen, um die weibliche Büste verführerisch zu formen. Eingenähte Stäbe aus Holz und Bein sollten den Trägerinnen helfen, den Rücken zu ent-lasten und den Oberkörper gerade zu halten. Ein Korsett galt zu jener Zeit bereits als feine Damenunterwäsche und erhielt zur Mitte des 19. Jhdts. Stützbleche am tiefgezogenen Hüftansatz und an der Front, während die Schulterpartien zunehmend freier wurden. Die Weiblichkeit wurde einem strengen Modediktat unterjocht: unten voluminös breit, in der Mitte schmal und nach oben hin sich wieder verbreiternd.

Mit dem Aufkommen von Stahlschienen und Metallösen konnte fester geschnürt werden und die Korsetts wurden kürzer und enger als sämtliche Modelle davor. Das extremste Körperverformungsteil der Zeit war das Wespen-taillenkorsett, welches seitdem immer wieder neu auflebt. 1974 durch Christian Dior´s „Style Nouveau” oder 2001 im Film Moulin Rouge.

Retrocharme oder Wahrheit: Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Historische Superlativen korsettierter Taillen sind mit einer gehörigen Portion Argwohn zu betrachten. So soll Frankreichs Königin Katharina von Medici im späten 16. Jhdt. auf eine Wespentaille von 13 Zoll geschnürt worden sein. Aber: Zum einen kompromittiert man eine Regentin nicht, sondern stellt sie vorteilhaft dar, zum anderen gab es damals keine verbindlichen Maßtabellen. So können diese 13 Zoll sowohl 30cm als auch 39cm sein. Nun, viel ist es dennoch nicht.
Als aktuell schmalste Extremtaille ziert laut Guiness World Records die in USA lebende Cathy Jung. 1937 geboren und 172cm groß, trainiert die Dame - unterstützt von Ihrem Mann als orthopädischem Chirurgen - seit 1983 ihre 53cm Tagestaille auf ein Korsettmaß von 38,1cm. Mittlerweile ist ihr das Korsett allerdings lebensnotwendige Stütze für den deformierten Brustkorb, verformte Rippen und eine geschundene Wirbelsäule.

Dagegen nehmen sich die für äußerst enge Schnitte berüchtigten Schnürmieder der 1890er Jahre bescheiden aus. Damals lag das Idealmaß für eine 160cm große Frau bei 54cm bis 60cm. Eine extreme Wespentaille ist und war wohl doch die Ausnahme. Ein Seidenchiffon-Sommerkleid der überaus schlanken, vielleicht sogar magersüchtigen, auf jeden Fall aber besonders eitlen Sisi ist mit 51cm Taillenmaß in den Kaiserappartements der Wiener Hofburg präsent.


Wichtiger Hinweis:
Die Viverethek ist keine Apotheke. Produkte werden ausschließlich zur Körperpflege und nicht als Arzneimittel angeboten. Dennoch können Wirkungen vorbeugend oder die Heilung unterstützend wirken. Beschreibungen über derartige Wirkungsweisen und Heilanpreisungen werden nach bestem Wissen, aber ohne Haftung, aus Überlieferungen der Hausmittel, Volks- und Klosterheilkunde recherchiert und nehmen eine Empfehlung Ihres Arztes keinesfalls vorweg.