SEELUFT
MACHT
FREI






SOMMERFRISCHE AM MEER.
Seeungeheuer, der hohe Salzgehalt und die schiere Abwesenheit jeglicher Notwendigkeit hielten die Menschen lange Zeit vom vergnüglichen Baden im Meer ab. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts machten medizinische Empfehlungen und die zunehmend freie Reiselust des Bürgertums eine touristische Eroberung der Strände entlang europäischer Küsten populär.
Von unzählige Ärzten empfohlen, sollte so ein Aufenthalt an der See die körperliche Regeneration und Erholung voranbringen. Man versprach sich durch ein Bad im Meer aufgrund der natürlichen Salzsättigung des Wassers, durch die Einwirkung des Wellenschlages „wie eine permanente Douche” und dem Einatmen der „dichteren, reineren, salzhaltigen und gleichmäßig temperierten Seeluft” eine nachhaltige Stärkung. Generell wurden einem Aufenthalt an der Küste „unter höherem Luftdruck” und einer freizeit-bedingten Veränderung der Lebensweise während des Aufenthalts durchwegs positive Aspekte zugesprochen.
War es zuerst ausschließlich die betuchte Gesellschaft Europas, die per Kutsche anreiste, nutzten schon bald mehr und mehr Menschen die Eisenbahn als modernstes Tansportmittel der Zeit. Kaum ein attraktiver Küstenanschnitt blieb von Mitte Juli bis Ende September verschont.

Als beste Badezeit des Tages wurden die Morgenstunden nach einem leichten Frühstück angesehen. Wo es technisch möglich und finanziell erschwinglich war, lies man sich in einem geschlossenen Kabinenwagen vom Strand bis in die hüfthohe See schieben, um dort keusch gekleidet durch die hintere Türe über eine kleine Treppe für fünf bis maximal 10 Minuten in das große Wasser zu klettern. Ein längerer Aufenthalt oder gar mehrmaliges Planschen am Tag war als überaus schädlich angesehen. Auch sollten 30 Badegänge während der gesamten Ferienzeit keinesfalls überschritten werden. So begnügte man sich mit langen Spaziergängen am Strand oder vergnügte sich bei gesellschaftlichen Treffen vom späten Vormittag bis tief in die Nacht.
Wo der Strand für Wägelchen nicht flach genug oder einfach ungeeignet war, halfen Stege und Molen oder man baute ganze Badeanlagen auf Stelzen ins Meer.

Ihre beste Zeit erlebten die goßen Seebäder von Mitte des 19. Jhdt. bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Beliebte Reiseziele waren die Bäder an der Ostsee. Wer höherem Salzgehalt und kräftigem Wellenschlag zusprach, reiste an die Nordsee nach Spiekeroog, Cuxhaven oder Ostende. Vornehme Noblesse versprachen die Kanalbäder von Dover, Brighton und Southampton oder Biaritz und San Sebastian an der atlantischen Südküste. Wer vermögend war, residierte am wärmeren Mittelmeer in Nizza, San Remo, Genua, Livorno, Neapel oder Messina. Der Österreicher liebstes Ziel war die obere Adria von Venedig über die Kvarner Bucht bis nach Dalmatien. Mit dem Bau der Südbahnstrecke 1854 von Wien nach Triest rückte die k.u.k. Riviera bei bequemer Anreise deutlich näher ans Herz der Monarchie. Mit dem konsequenten Charme der Gründerzeit planten Wiener Architekten noble Kurorte des Küstenlandes, wie Abbazia und Portoroz. Aber auch in Brijuni, Duino und Grado stiegen fortan prominente und weniger bekannte, aber alljährlich treu wiederkehrende Gäste ab, um entlang der Strandboulevards zu promenieren, zu schauen und vor allem um gesehen zu werden.


Wichtiger Hinweis:
Die Viverethek ist keine Apotheke. Produkte werden ausschließlich zur Körperpflege und nicht als Arzneimittel angeboten. Dennoch können Wirkungen vorbeugend oder die Heilung unterstützend wirken. Beschreibungen über derartige Wirkungsweisen und Heilanpreisungen werden nach bestem Wissen, aber ohne Haftung, aus Überlieferungen der Hausmittel, Volks- und Klosterheilkunde recherchiert und nehmen eine Empfehlung Ihres Arztes keinesfalls vorweg.