THERIAK

Schlangenwurz
&
Hexenkraut




Das Hôtel-Dieu in Beaune wurde 1433 als Hospiz gestiftet und blieb durchgehend bis 1971 in Betrieb.


In einem Regal der historischen Apotheke des Hôtel-Dieu im französischen Beaune steht ein altkeramischer Deckelpokal mit der sonderbaren Aufschrift THERIACA. Er soll einst das sagenhafte Wundermittel Electuarium Theriaca Andromachi enthalten haben.

Andromachus aus Kreta, der Leibarzt Kaiser Neros - so heißt es - soll es erfunden haben. Ursprünglich aus beinahe 70 verschiedenen Ingredienzien zusammengesetzt, wurde es gegen tierische Gifte und als phänomenales Universalheilmittel angepriesen. Die ursprünglich geheime Rezeptur gelangte in Versen von Medikus zu Medikus, um schließlich vom griechischen Arzt Galenos in seinem heilkundlichen Werk De antidotis aus dem 2. Jhdt. n. Chr. schriftlich festgehalten zu werden.
Der breiförmige Theriak war überaus beliebt. Obwohl er nach und nach in Vergessenheit geriet, wurde er noch bis weit in das 18. Jahrhundert von Apothekern in Venezien und Frankreich zubereitet. In Neapel konnte er sich am längsten halten und wurde dort noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter strenger Aufsicht der dazu privilegierten Verwaltungsbehörde des örtlichen Correctionshauses in exakt vorbestimmter Jahresmenge hergestellt und nur an berechtigte Apotheker abgegeben.

Die zähe breiförmige Masse bestand damals aus Angelika- und Schlangenwurzeln, Baldrian, Meerzwiebeln, Zitwer, Kardamom, Zimt, Myrrhe, Gewürznelken, Eisenvitriol, in Wein gelöstem Opium und vielen weiteren nicht näher benannten Inhaltsstoffen, die mit aufgeschäumtem Honig zu cremiger Latwerge gerührt wurden. Als preiswerte Alternative wurde daneben der opiumfreie Bauerntheriak angeboten.
Weil die preußische Pharmakopöe von 1882 den Theriak als Präparat nicht weiter führte und sogar aus der Liste der offizinellen Arzneimittel strich, versank das einstige Wundermittel endgültig im Ozean des Vergessens.

 


Wichtiger Hinweis:
Die Viverethek ist keine Apotheke. Produkte werden ausschließlich zur Körperpflege und nicht als Arzneimittel angeboten. Dennoch können Wirkungen vorbeugend oder die Heilung unterstützend wirken. Beschreibungen über derartige Wirkungsweisen und Heilanpreisungen werden nach bestem Wissen, aber ohne Haftung, aus Überlieferungen der Hausmittel, Volks- und Klosterheilkunde recherchiert und nehmen eine Empfehlung Ihres Arztes keinesfalls vorweg.